Die Dorflinde, ein Baum im Umbruch – Bericht aus der Baumführung 2022

In Oerlikon steht wohl der ältesten Bäume der Stadt Zürich, die Dorflinde. Sie ist fast 300 Jahre alt. Auf der Baumführung des Quartiervereins Oerlikon berichtet Grün Stadt Zürich über den Zustand der Bäume, über Baumkontrolle, Baumfällen und Erneuerung. Ein spannender Rundgang durch das Quartier.

Die Dorflinde Oerlikon im Hof des gleichnamigen Alterszentrums ist wohl der älteste Baum auf öffentlichem Stadtgebiet. Sie wurde 1723 gepflanzt, als Oerlikon ein kleines Dorf am Rande einer weiten Riedlandschaft war. Heute sind Drahtseile gespannt, um die Äste zu halten. Im Innern des Stammes wurde betoniert, um der Fäulnis zu begegnen. «Das würde man heut anders machen», meint Judith Maas, Verantwortliche Leiterin des Unterhaltsbezirks Oerlikon Süd und Schwamendingen von Grün Stadt Zürich. Mit einem Gummihammer klopft sie den Stamm ab, um den interessierten Oerlikoner*innen zu zeigen, wie man Fäulnis und Krankheiten eines Baumes auch über das Ohr wahrnehmen kann.


Bäume in der Stadt haben eine kurze Lebensdauer. Vielleicht 30 oder 40 Jahre, vereinzelte Bäume leben auch länger. Dies hat damit zu tun, dass die Stadt eigentlich ein baumfeindlicher Lebensraum ist. Oft habe die Wurzeln zu wenig Platz, Hitze, Schäden, Menschen machen den Bäumen zu schaffen. Ein Wunder konnte die Dorflinde so lange überleben.

Grün Stadt Zürich kennt jeden Baum auf öffentlichen Grund und sie wissen auch, wie sie die Bäume gut pflegen können. Baumkontrolleure gehen jährlich durch das Quartier und schätzen den Zustand der Bäume ein. Dabei ist es wichtig, dass sie gründlich arbeiten. Denn niemand will, dass einem ein Ast auf den Kopf fällt und man schaden nimmt, oder sogar ums Leben kommt.



Wird ein grosser Ast eines Baumes abgeschnitten, können Pilze und Bakterien eindringen, und dem Baum grossen Schaden zufügen. Lebensbedrohlichen Krankheiten können dazu führen, dass ein Baum gefällt werden muss.

Grün Stadt Zürich pflegt rund 70'000 Bäume im öffentlichen Raum. Jedes Jahr müssen ca. 300 Bäume ersetzt werden. Seit ein paar Jahren haben sie den Auftrag, mehr Bäume zu pflanzen, als gefällt werden. So soll langfristig dem Klimawandel begegnet und die Stadt gekühlt werden. Im letzten Jahr haben sie rund 600 Bäume mehr gepflanzt.

Beim Bauhof in Oerlikon haben die Kastanienbäume bereits braune Blätter. Ist es wegen der Hitze oder früher Herbst? Es ist die Kastanienminiermotte, die die Blätter befällt. Grün Stadt Zürich hat entschieden, keine Pestizide einzusetzen. «Es ist wie ein Heuschnupfen für die Kastanien. Die Blätter sind früh braun, fallen ab im Herbst und im Frühling hat sich der Baum wieder erholt» meint Axel Fischer, Leitung Park und Grünanlagen.

Das Engagement von Axel Fischer und Judith Maas wirkt ansteckend. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Baumführung freuen sich: auch im nächsten Jahr wird der Quartierverein Oerlikon zusammen mit Grün Stadt Zürich eine Baumführung in Oerlikon durchführen.